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Gotthard Fellerer
Zuweilen nebenbei Adabei

"Vor Jahren leitete ich in St.Pölten die Ausstellung "Zwischen Aktentasche und Palette" ein und verwies auf das Problem, was denn los sei, wenn man als Kreativer zwischen zwei Sesseln sitze und ständig zwischen dem Wollen und dem Müssen zu entscheiden habe. Dies, einerseits wissentlich als eifrig, geflissentlicher Vollstrecker dessen, was sich die Frau Bundesminister, obwohl nicht Fachfrau, ausgedacht hat und andererseits als kreativ Widerspenstiger, der als Unermüdlicher, um die besondere Stellung des Schöpferischen weiß und dies nicht nur aus der Literatur.

Was ist aber, wenn einer nicht zwischen zwei, sondern einer unübersehbaren Anzahl von verschiedensten Aktentaschen, Tragtaschen, Reisetaschen, verschnürten, offenen Kartons, Koffern, Körben, Seesäcken, Paletten, Rucksäcken, etc. sitzt - hat er dann noch den genügenden Überblick - oder verliert er sich im steten Gepäckstückauflisten und in der Überprüfung der Inhalte?

Der gelernte Österreicher denkt natürlich sofort, was strebt er an, was will er? Will er vielleicht Professor, Magister, oder gar Fachinspektor für Bildnerische Erziehung werden? Falsch, das ist Manfred Friedrich schon. Der, über den ich schreibe! Mehr zu erreichen gibt es nicht! Also was will er dann??

Was will er?

Will er sich selber überholen, der Zeit, der Hypothese vom Sein, den Konventionen, ein Schnippchen schlagen, will er provozieren, will er zeigen, dass man nicht soviel Wind machen solle, dass alles NEBENBEI auch gelänge???

Manfred Friedrich strebt weder nach Vollkommenheit, noch nach irgendwelchen erhabenen Zielen, er hat sich nur ein kleines Wort bewahrt, welches er im Bewusstsein seines Seins auch lebt: So Nebenbei!

S-O .....S.O. ist auch der Name jenes Kunstvereines, dem ich vorstehe und der eigentlich Süd Ost heißt. Süd-Ost ... nebenbei, eigentlich vom Osten nach Süden und retour - alles nur nebenbei, denn Manfred Friedrich ist auch bewundernswert Reisender. Er ist überall zugleich, stets präsent und anwesend - er ist ein Phänomen und ein gewissenhafter Arbeiter. Dies aber mit einer bewundernswerten uhrmacherischen, präzisen, wenn sie so wollen, weinviertler Genauigkeit. Er wohnt in Gänserndorf. Er ist Zeitökonom und gewissenhafter Macher, der uns so nebenbei einen Blick in die Peepshow seiner Kreativität, seiner Schaffenskraft gewähren lässt.

Was er nicht alles macht: Er ist Drachenflieger, Segler, Surfer, hat sämtliche Führerschein, kann damit mit jeglichem Gefährt, gesetzlich gedeckelt, seine Runden drehen, ist Hundebesitzer, hat zwei kleine und zwei erwachsene Kinder, fährt einen Chrysler, da er immer soviel zu transportieren hat, ist Computerkompatibel, ist geprüfter Volksschullehrer, geprüfter Hauptschullehrer, geprüfter AHS-Lehrer für Werkerziehung und Bildnerische Erziehung, betrieb so nebenbei ein Psychologiestudium, war Resozialisierer an diversen Strafanstalten, war Lehrer an der Pädagogischen Akademie in Baden, Lehrbeauftragter am Pädagogischen Institut in Baden und Hollabrunn, Arbeitsgemeinschaftsleiter für Technisches Werken an den AHS, Leiter des Fachnormenausschusses Schule, Bildnerische Mittel- hat die höchsten Weihen der Kunstvermittlung und ist Fachinspektor aller Schultypen für Bildnerische Erziehung, Technisches Werken, Bildnerisches Gestalten, Werkerziehung und Kreatives Gestalten, hat ein gutes Naturell, einen g'sunden Hausschmäh, ist Genussraucher, Maler und Grafiker. Die Fülle der Vielfalt der Verpflichtungen, so meint man, müsste den Schaffenden in eine permanente Zeitnot, übertreibige Atemlosigkeit oder die g'schaftige Oberflächlichkeit zwingen, ihn auffressen.

Weit gefehlt, Manfred Friedrichs Welt ist gut geordnet , ohne penetrant zu sein - ich kenne ihn, er macht einfach alles spielerisch, so nebenbei, wie er sagt - und dies mit einer bewundernswerten Leichtigkeit und Lockerheit. Trotz seiner hohen Qualifikationen und seiner Qualitäten verbeisst er sich nie sklavisch in Problemeiern, sondern jongliert gekonnt und schafft es wahrscheinlich, auch auf einem Hochseil mindestens drei Dinge zugleich zu machen. Dadurch ist er so jung geblieben, sodass manch Jüngere neben seiner sprühenden Kraft einfach alt aussehen - wirft Funken, der Rauch dampft sowieso, lebt kein monastisches, karges Leben, nein, er schöpft aus der reichen Fülle seiner Fähigkeiten und ist Angehöriger eines wirklich guten Jahrganges .... 1944.

Er schafft es, die Grau- und Bravheit der verliehenen Würde und der stereotypen Architektur, die ihn amtlich einschließt, zu durchbrechen und Er selber zu sein. Er ist weder Guru noch pedantischer Rotstiftfuchser - vielmehr verpflastert er Gänge mit Bilder, stellt Arbeiten von Kollegen ins Internet, schafft es, trotz asketisch anmutender architektonischer Vorgaben, sich im Landesschulrat ein behagliches Nest zu bauen und erobert die Welt schlicht spielerisch und ist deshalb das, was man als höchste Auszeichnung überhaupt ansehen möge: er ist Mensch geblieben.

Einer, dem Vielfältigkeit mehr bedeutet als die hingebungsvolle Einfalt.

Aus diesem Grund ist er auch ein Mensch, der gerne und viel lacht. Er ist keiner, der sich oder anderen auf die Mundwinkel steigt, eher einer jener, die gute Laune und die Unbeschwertheit vor sich hertragen und Heiterkeit ausstrahlen. Seine erlebten Geschichten, die unter dem Kabarettslogan ?Du, des is a Waunsinn" eigentlich veröffentlicht werden müssten, sind Legion, und Ungläubige, diejenigen, die also nicht an die Wirkkraft von Bildnerische Erziehung glauben, bekehrt er mit Charme und einer Vehemenz, die ihn auszeichnet. Ein Markenzeichen sind, neben seiner Vielfalt, die bereits besagte Rauchwolke die ihn stets begleitet und der würzige Geruch von Tabak, der ihn umgibt.

Wenn man seine Arbeiten betrachtet, so sind diese ebenso vielfältig. Man merkt die Kraft, wenn etwas juckt, man merkt die Subtilität und Zartheit, wenn etwas wehtut, man merkt die Schönheit des Striches, wenn es liebevoll ziseliert werden soll, man merkt den ätzenden Sarkasmus und man spürt die ungebrochen virile Kraft, wenn gezeigt werden soll, wo es lang geht.

So kann bei ihm eine Übermalung vielfältig ausfallen. Übertüncht man ein Bild, so kann die darunterliegende Bildinformation verloren gehen oder im Verborgenen, in der Ahnung weiterwirken. Dann sind Strukturreste Anhaltspunkte für Denktiraden und Vorstellungsmuster. Man kann aber auch dadurch Ahnungen wecken und so lasieren, dass darunterliegende Schichten nur verschämt ihre Reize zeigen. Wenn man so will, ist dies eine Art des Darstellens, welche die Lust nach dem MEHR in sich trägt.

Der engagierte Kunstpädagoge Manfred Friedrich, einer, der weiß, wovon er redet und weiß, was er wie tut, gibt Landschaften durch zarte schwarzblaue Lasuren geheimnisvolle Wirkungen und verleiht Bildwerken mittels gekonnt kräftigen Pinselstrichen ungewöhnliche Kraft. Er dynamisiert nicht nur, sondern realisiert eine anders gewichtete, aber dennoch nachvollziehbare Wirklichkeit. Subtil zelibriert und reflektiert er aus der Bilderwelt des Umfeldes, schafft Erlebnispotentiale und akzentuiert diese neu. Durch sein Tun spricht er die inneren Wahrnehmungen des Rezipienten an und macht diesen nach dem bereits zitierten "MEHR" neugierig.

Er redet, wie alle Kunsterzieher, denen Kunst nicht nur ein theoretische Anliegen ist, nicht nur von der Sache, er analysiert, erläutert sie nicht nur, sondern macht ...... und daher können wir so viel darüber reden - ADABEI, NEBENBEI. 


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