Plastik

Objekt

Grafik

Malerei




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Zu Ulrich Gansert
von Gotthard Fellerer

Ulrich Gansert ist Universalist. In einer Zeit der Unüberschaubarkeit, die da Globalisierung heißt, wo der große Bruder jegliche Bewegung registrieren kann, jegliche elektronische Betätigung nachvollziehbar ist, der Mensch gläsern wurde, arbeitet Ulrich Gansert langsam und penibel an Solitärem.

Sein Werk ist in vier wesentliche Bereiche gegliedert: Malerei, Grafik, Fotografie und Objekte. Die geistigen Inhalte seiner künstlerischen Konzeptionen sind eng ineinander verzahnt und die Existenz des Einen bedingt die Werdung des Anderen.

Ulrich Gansert fühlt sich in seinem Tun wohl der Kunstgeschichte gegenüber verpflichtet. Aber die superrealistisch gemalten Stadtlandschaften und Interieurs, die er früher malte, sind nun Ausflügen in die frühe Menschheitsgeschichte und dreidimensionalen Umsetzungen von Er- und Fundobjekten gewichen. Die archaischen Bilderwelten die er in der Tiefe seiner Existenz gefunden hat, inszeniert er nun als spartanisch - ästhetische Installationen raumadäquat. Er gleicht in der Kontinuität seines Schaffens einem peniblen Anthropologen und Ethnologen des Neuen und legt in sich akribisch, Schicht für Schicht, uralte Strukturen frei, die er verbildlichen lässt. Seine Werke sind nicht gewöhnliche Objekte, sondern Vergegenständlichungen der Philo- und Psychogenese der Menschheit. Urtümliche Bildspuren aus der Zeit als die Menschen noch an die Allmacht des Numinosen glaubten. Es sind prärationale Schauungen, die er uns veranschaulicht.

Ein schamanischer Seelenvogel, ein Reiher, ist als Wachspapierplastik auffliegend eingefroren, ein Erfundobjekt, ein Mammutzahn, aus Draht, Papier und Leim zitiert ehrfurchtsgebietend paläolithische Ungetüme, ein Drahtknabenkopf erinnert als Relikt an die verlorene Kindheit, ein angerosterter Tisch mit Glasphiolen, Eprovetten, Kolben samt Metallfundstücken realisiert Denkspuren einer Alchemistenstube, damals, als die Menschen noch den Stein der Weisen in sich und nicht in fremden Gefilden suchten. Eisenfundstücke gepaart mit neu Gemachten werden, präsentiert auf einer Metallplatte, zu magischen Realistionen, die stark an Devotionalien erinnern, die sympathetische Wirkungen zeitigen.

In zunehmenden Maße wurde die Kunst Ganserts magisch. Sie wurde erlebnishafter und haptischer, indem er den Raum in seine Gestaltungen mit einbezog. So in seiner "Ruine" aus feuerbehandelten Holzstücken, in der er prophetisch die schrecklichen Ereignisse und deren bedrohliche Folgen vom 11. September 2001 vorwegnahm. Während Gansert früher in seiner Bilderwelt im kleinbürgerliche Milieu des Schrebergartens und des Spaziergehers graste, wich die Idylle der Darstellung dem archaischen Jagd- und Wildbeutertum, in dem einerseits die Angst vor dem Kommenden, aber auch der sympathiemagische Akt des zwingenden Erfolghabens spürbar sind.


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