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ANGELIKA KAUFMANN
GEDANKEN ZU IHRER KUNST UND ZU IHRER PERSON
von Angelika Bäumer

Seit Jahren setzt Angelika Kaufmann mit dem Pinsel knappe, sich ständig wiederholende Zeichen aufs Papier, die mal dunkler mal heller sind und einen einfachen und eindringlichen Rhythmus ergeben. Zwischen den Pinselstrichen liest man Worte oder kurze Sätze, Gedanken, Mitteilungen, Erinnerungen, Beobachtungen, Tagebuchnotizen. Es geht um das Sichtbarmachen und das Festhalten von Zeit, aber mit dem Wissen um die Vergänglichkeit. Diese Notizen können Fahnen, aber auch zum Buch gebunden, oder zu Rollen gerollt sein. Sie sind Beschwörungen gleich, sind Zeichen gelebter Zeit, die nicht verloren gehen darf, sondern bewahrt werden muss, als Wert und Sinn. Sind die Punkte und Striche ein noch nie geschriebener Roman? Oder ein nur geträumtes Gedicht? Und versteckt sich hinter den Strichstärkenpartituren noch nie gespielte Musik, und welch ein Musiker kann sie zum Klingen bringen?

Natürlich ist es der Mensch, der für Angelika Kaufmann Mitte und Inhalt ihrer Kunst ist, aber es ist nicht seine Figur oder sein Antlitz, sondern sein Ausgeliefertsein an Zeit und Raum, seine Abhängigkeit vom Kommen und Vergehen, seine Verlorenheit in den Gesetzmäßigkeiten seiner kreatürlichen Existenz, was die Künstlerin ausdrücken und mitteilen will, und was der Anlass ist für ihre Arbeiten, ob das nun Bilderbücher für Kinder sind oder Installationen, ob Wasserfarbenbilder oder Prägedrucke - auch sie sind versteckte Texte und Mitteilungen, man muss sie nur lesen und zu erkennen suchen. Hinter dem Aufzeichnen, hinter dem beinahe manischen Setzen von Strichen, steht auch die Sehnsucht die Zeit anzuhalten, sie zu bannen und auszudehnen - "verweile doch, du bist so schön".

Angelika Kaufmann wurde 1935 in Kärnten geboren, studierte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und stellt seit 1963 regelmäßig in Österreich und in vielen Ländern und Städten Europas, aber auch in China und Japan aus. Seit 1970 illustriert sie Kinderbücher - u.a. zu Texten von Mira Lobe ("Der Apfelbaum") und von Friederike Mayröcker ("Pegas das Pferd") - aber auch Anthologien und Bildgeschichten.

Sie ist Mitglied der Wiener Secession, der Intakt, des Kunstvereines Kärnten und der Grazer Autorenversammlung und sie ist aus dem Kunstleben Österreichs mit ihrer eigenständigen, strengen, abstrakten, aber ungemein sensiblen und poetischen Arbeit nicht wegzudenken. Angelika Kaufmann ist mit ihrer Person und mit ihrer Kunst ein überzeugender Beweis dafür, dass auch in Zeiten, in denen nur das Laute und Oberflächliche den Ton anzugeben scheinen, die Stille und Kontinuität nicht verloren gegangen sind, sondern ihren Platz behaupten. 


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