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Werdungen - Sepp Laubners Bildwelt
von Gotthard Fellerer

Sepp Laubners künstlerisches Tun ist eine Gratwanderung zwischen der Wirklichkeit und dem Bereich des Unwägbaren, das ihn zur Realisation drängt. Zwanghaft, drohend wird die Welt des Zwischenreiches wirklich. Er liefert sich dem Wollen des ES aus und im ungebremsten Schaffensrausch entstehen Bildwerke, die ihn in Staunen versetzen. Er ist Beobachter seines Tuns. Die weiße hemmende Fläche wird mit wilden Strichen zugemalt. Ein starkes Rot signalisiert Leben, wird mit Schwarz übermalt, auf das schließlich lasierend Gelb aufgetragen wird. Schwungvoll, wird das eben Entstandene mit Weiß gehöht und wird zu einer Parallelnatur, die im nächsten Augenblick vielleicht wieder verworfen wird. Paffend, tänzelnd und abwägend sucht er die Distanz zu seinem Tun und verdeutlicht schließlich das Entstandene. Immer wieder überarbeitet er bereits gewordene Strukturen und ringt den Flächen neue Konzeptionen ab. Bilder verschwinden unter Bildern. Für mich sind seine Schaffungen dunkle Fenster - Aufarbeitungen, aus denen Schemen quellen, die Sepp Laubner durch umfassende Striche bannt. Klar fass-und definierbar sind seine Figuren nicht. Sie sind vieldeutig und manchesmal irritierend - Wesenheiten, Werdungen, die sich der Vergleichbarkeit entziehen.

Sepp Laubner produziert in Schaffensschüben und vieles entsteht überschlagend und gleichzeitig. Es pulst und arbeitet durch ihn. Dennoch weiß er, wann seine Bilder fertig sind und sich der Möglichkeit seines Zugriffes entziehen. Manchesmal wirken die Arbeiten gewalttätig und ein andermal harmonisch. Aber stets ist es der stetige Kampf zwischen Werdung und Verhaltung, der in seinen Bildern wirkt. Die Welt und die Unruhe des Werde und Vergeh, der Kampf zwischen dem Hellen und dem Dunkeln ist in seinem Werk manifest. Er ist Maler und wehrt sich gegen die Verbindlichkeit von Bildtiteln. Er möchte die diffuse Welt des Morgengrauens und der Dämmerung dem Betrachter bewahren und diese nicht durch Worte einengen. Er schöpft aus der Welt der unzähmbaren Tiefe, aus der seine Werdungen quellen. Es sind seiende Wahrheiten, die der subjektiven Entschlüsselung harren, deren Konzeptionen im wesentlichen dem ES, dem Genius, entstammen.

In seinem Tun prallt eine Welt in der alles möglich ist auf die Wirklichkeit. Die Bilder seiner Nacht zwingen sich durch ihn an die Öffentlichkeit und er lässt sie gewähren. Er setzt Grenzen und bringt Tiefe, er zitiert, lässt den Betrachter muten und zwingt ihn zum Nachschöpfen.

Sepp Laubners Schaffen ist aber nicht eindimensional sondern er wirkt auch als dingfester Beobachter des allgemein Erfassbaren. Seine Aquarelle atmen die notwendige Duftigkeit und seine "Burgenländischen Landschaften" sind gesuchte Sammelobjekte. Es sind typische Landschaften in denen er die Wesenhaftigkeit des Landes dokumentiert. Es sind Arbeiten, die in ihrer Dynamik das gewöhnlich Landschaftliche durchbrechen. Aus ihnen spricht die Unwirtlichkeit eines eisigen Winters ebenso, wie die überschäumende Freude eines glutheißen Sommers. Umstände, die den Menschen des Burgenlandes prägen, der sich nicht der Natur wehrt, sie bekämpft, sondern stets versuchte, sich mit ihr zu arrangieren. Es ist vielleicht aus diesem Grund verständlich, dass sich in diesem Land sowohl das Dionysische, als auch das Apollinische, das Ekstatische und das Asketische, das Dunkle und das Helle seinen Platz bewahrt hat. Eine fluktuierende Welt, die im Werk Sepp Laubners zu uns spricht. 


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