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Hans Wieringer oder Das Haar in der Suppe.
von Gotthard Fellerer

Texte über Künstler haben oft die Eigenart, dass sie zur Beliebigkeit erstarren. Lustvoll schwelgt der Schreiber in olympischen Höhen, während der geduldige Leser langsam hinüberdämmert. So möchte ich lieber über das Haar in der Suppe schreiben, über Hans Wieringer, einen Willendorfer Künstler und Siebdrucker, einem quirligen Herren mit originellen Ideen und dem Gefühl für die Sache.

Die Bilder, mit denen er sich umgibt, stammen durchwegs von ihm und sind Zeugnisse von Unmittelbarkeit und Originalität. Besonders animierend ist der Bildwitz, den die Arbeiten ausstrahlen.

Die Bilderwelt von Hans Wieringer ist karikaturhaft: Eine flächig verzerrte, groteske Wirklichkeit, in der das zweidimensional Figurale witzerzeugend dominiert.

Spitzkinnige, nasige Langköpfe mit Bäuchen persiflieren Menschsein und verharren in zeichenhaften Posen und Texte verdeutlichen das Gesehene. Bildtiefe ist ihm fremd und er simuliert in seinem Bildschaffen Natur nicht als tragbares Fenster an der Wand, sondern Bild bleibt Bild. Er hat keine Bilder vor dem Kopf und ist lebendig genug, um über seinen Gartenzaun zu schauen. Er zeichnet, wie er ist: offen, witzig und sympathisch. Manchesmal haben seine Schöpfungen cartoonhaften Charakter und stehen in der Tradition des slawischen Bildwitzes.

Seine Domäne ist aber nicht die kalte, grantelnde Intellektualität eines "Pressewitzes", sondern das direkte, heiter-nachdenkliche Offenlegen aber auch Bloßstellen.

Er veräppelt die Realität und negiert das Ideal.

Seine Stärke sehe ich in seiner Direktheit und Unmittelbarkeit. Hier finde ich auch die künstlerischen und menschlichen Qualitäten von Hans Wieringer.

Manchesmal ist er faunisch boshaft, ein andermal nur nachdenklich.

Die Freiheit, die er sich nimmt, gebiert den Witz, und der Witz vermittelt Freiheit.

Wieringer spielt mit Figuren, Farben, Formen und das Urteil überlässt er dem Betrachter. Seine Bilder sind nicht komisch, flüchtig, aber auch nicht apollinisch heiter, sondern Wieringer pflegt den ersten Lacher, dem das nachdenkliche Stirnrunzeln folgt. Er verletzt aber nicht, bohrt nicht mit dem Finger in der Wunde, sondern nimmt den Beschauer an der Nase.

Im scheinbar unsinnig Zwecklosen verbirgt sich ein nicht angreifbarer Sinn - der Sinn nach Wahrhaftigkeit und der Sinn der Verblüffung, die auf dem Kontrast zur Wirklichkeit baut.

Ein Vorhaben, das uns nachdenklich macht und uns verlegen Kichern lässt. Wenn Sie so wollen, Witz und Pointe friedlich vereint. Vergleichbar dem Jandelschen "Laut und LUISE"

Analysieren kann man aber das Witzverstehen der Wieringerschen Bilderwelt nicht.

Nach Lichtenberg hat jeder Mensch ein moralisches Hinterteil, das er aber nicht gerne, ohne Not zeigt und es so lange, wie es geht mit der Hose des guten Anstandes bedeckt.

In einigen seiner Arbeiten lüftet Wieringer seine Hose und zeigt uns mit moralisierendem Finger das menschliche Debet. Nehmen wir das Angebot an, denn das Haar in der Suppe ist immer, wie man meint, vom anderen. 


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