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"Solange ich zweifle, mach ich gar nichts."
Ein Wortportrait des Wiener Neustädter Künstlers Friedrich Bastl
Gotthard Fellerer

Zweifeln ist die kritische Zwiesprache mit dem Sein, dem Ich und dem Geschaffenen. Zweifeln bedeutet Überprüfung, aber auch Suchen. Einer dieser Suchenden ist Friedrich Bastl, Grafiker, Bildhauer, Maler und Fotograf, der seine Mittel adäquat einsetzt, und alles über den Bastelschen Maßstab laufen läßt. Ebenso wie Thomas Bernhard, der ausschließlich über sich selbst schrieb, tastet Bastl in seinem künstlerischen Tun sein Umfeld ab. Der Vorspann zu seinem Namen ist Universitätsprofessor, Magister und Ingenieur. Da kommt natürlich die Frage auf, was ist Friedrich Bastl nicht?

Friedrich Bastl ist jedenfalls kein Konstruktivist. Er ist kein blanker Rationalist, sondern ein betulicher Zeichen und Bildfinder, der aus seinem reichen Innenleben schöpft und von inneren Stimmigkeiten abhängig ist. In seinem Werk dominiert, meines Ermessens nach, das ästhetisch aufbereitete Daimonium. Aus der Tiefe seines Seins steigt es auf und zerstört mit Raffinesse allzuglatte Oberflächen. Das Daimonium fügt nicht zusammen, es ergreift, erschüttert, zerrt, beutelt, höhlt, ätzt, rostet, brennt und umschließt den Betrachter mit einer eigenartig, dumpfen Ergriffenheit. Es lockt, verspricht und dennoch empfinde ich die Botschaft nicht als heilsam, sondern als bedrohlich. So erinnere ich mich an die beiden "Wächter" aus Holz, die Friedrich Bastl in Weistrach ausgestellt hatte. Sie erfüllten den Raum mit einer ungeheuren Spannung, ähnlich aufgeladenen afrikanischen Fetischen. Der schlichte viereckige Raum wurde unversehens zu einer unheilig vibrierenden Kultstätte. Für mich ist dies aber nicht verwunderlich, da es doch die den Menschen am stärksten beeindruckenden Pole, Sexualität - Tod, Fruchtbarkeit und Vergehen sind, die Friedrich Bastl zum künstlerischen Tun animieren. Von alters her ranken sich um diese Elemente des Seins geheimnisvolle Riten und man errichtete gar seltsame Figuren: Den delphischen Omphallos, die Stelen des Priapus, die heiligen Figuren des Lingam, der Yoni, die zahllosen seltsamen, oft phallischen Plastiken der Afrikaner, ehrte Erdspalten etc. Von je her mußte man aber stimmig sein, um magisch wirkungsvolle Utensilien herzustellen. Auch Friedrich Bastl muss stimmig sein, um arbeiten zu können. "Wenn ich zweifle, so mach` ich gar nichts". Von je her wird die Gedankenkraft in dem Werk eingewoben. Die Strahlkraft ist spür -und - messbar. Das Werk pulsiert - es lebt auf eine geheimnisvolle Weise.

In der Darstellung der Sexualität benützt Bastl eine, seit alters her, geläufige Symbolsprache die er gekonnt einsetzt und dennoch elektrisiert die Direktheit seiner Arbeiten nicht, sondern schafft eine kühle Distanz zum Dargestellten. Es präsentiert sich ?cool" im Weltbordell. Selbst die Darstellungen sämtlicher Stellungen von Anal bis Zutzeln erotisieren kaum - eher freut man sich an der Freiheit und Unbekümmertheit des Striches der auf den Blättern tanzt. Das romantisch Sentimentale ist Friedrich Bastl fremd. Er bleibt Ästhet. Einmal ist es der schmale Grat zwischen dem Erhabenen und dem Komischen das die Arbeiten von Friedrich Bastl so reizvoll macht. Ein andermal gibt er sich archaisch, schwer oder humorig und oft trennt nur eine winzige Scheide die Welt zum karikaturhaften Grotesken.


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